In ihrer Fraktionssitzung am 23.05.2013 hat die CDU-Ratsfraktion die Betriebsstätte des sozialen Vereins Arbeit und Dritte Welt in Hildesheim besichtigt. Sie erhielt bei der interessanten Führung und anschließenden Diskussion einen tiefen Einblick in die Arbeit des Vereins, der sich einerseits um benachteiligte Menschen kümmert und dadurch auf der anderen Seite aktiv Entwicklungshilfe leistet.
Thomas Brien, Geschäftsführer des Vereins Arbeit und Dritte Welt e.V., stellte den Verein und die Projekte sowie die Räumlichkeiten des seit 1995 aktiven Vereins vor. Hintergrund des Vereins ist, dass Arbeitslose Entwicklungshilfe leisten. Auf diese Weise profitieren die Arbeitslosen, weil sie eine sinnvolle und strukturierte Arbeit leisten genauso wie hilfebedürftige Menschen in der Dritten Welt, denen Gegenstände, die sie vorher nicht haben oder nicht einsetzen können, zur Verfügung gestellt werden.
Zur Gründung des Vereins Die Idee zur Gründung des Vereins kam von Fred Schulz, dem ehemaligen Kreisvorsitzenden des DGB. Die in den Projekten eingesetzten Arbeitskräfte bekommt der Verein über die Agentur für Arbeit, das Jobcenter sowie das Sozialamt vermittelt und dadurch finanziert. Für die Kosten im Hinblick auf Verwaltung, Material usw. ist der Verein auf Eigenmittel angewiesen.
Wie finanziert sich eine solche Initiative? Pro Jahr benötigt der Verein etwa 230.000,- € an Eigenmitteln, damit der Betrieb sach- und fachgerecht aufrecht erhalten werden kann. Zudem ist die Tendenz im Hinblick auf die Ausgabenseite steigend. Dennoch arbeitet der Verein komplett schuldenfrei und hat es geschafft, auf eigene Initiative und kostensparenden Einsatz gebrauchter Materialien das neue Betriebsgelände im Stadtfeld zu errichten. Zahlreiche Spender haben dieses Vorhaben maßgeblich unterstützt.
Was passiert bei Arbeit und Dritte Welt? Der Verein sammelt über ein Netz von Unterstützern gebrauchte Werkzeuge und Maschinen. Diese werden unter Anleitung von Handwerksmeistern und sozialpädagogischer Begleitung in den vereinseigenen Werkstätten – Tischlerei, Metallverarbeitung, Mechanik, Bau und Gartenpflege – durch die Beschäftigten aufgearbeitet und für den Transport zu den Zielorten vorbereitet. Der Verein kümmert sich übrigens auch um die Abwicklung der Logistik. Ein weiterer interessanter Fakt: nahezu alle verwendeten Werkstoffe kommen aus zweiter Hand.
Welche Produkte werden aufgearbeitet und für welche Ziele sind sie bestimmt? Es handelt sich bei den Produkten zum Beispiel um Werkstatteinrichtungen, Tretnähmaschinen, Krankenhauszubehör, Fahrräder, Transportfahrräder sowie Maschinen und Werkzeuge. Ziele waren unter anderem: Eritrea, Ghana, Kuba, Moldawien, Republik Südafrika, Togo, Tschad, Namibia, Nicaragua, Äthiopien, Burundi, Türkei, Tansania, Sudan, Gambia, Afghanistan, Senegal und Elfenbeinküste.
Welche Personen sind bei Arbeit und Dritte Welt tätig? Bei den Beschäftigten konzentriert sich Arbeit und Dritte Welt vor allem auf schwerbehinderte und extrem schwer vermittelbare Menschen. Zum Teil sind auch Personen mit Migrationshintergrund für den Verein tätig. Damit wird deutlich, dass vor allem Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen eingesetzt werden. Seit Beginn der Tätigkeit haben etwa 1000 Menschen für eine begrenzte Zeit bei Arbeit und Dritte Welt eine Beschäftigung gefunden.
Wie werden die Arbeitskräfte finanziert? Da sich in der Vergangenheit die Fördermöglichkeiten stetig verändert haben, musste auch der Verein sich den jeweils aktuellen Gegebenheiten anpassen. In der Konsequenz bedeutet das vor allem, dass es keinen konstanten Arbeitsbetrieb mit identischen Teilnehmern gibt. In der Regel verbleiben die Beschäftigten für ein Jahr und anschließend kommt es zu einem Wechsel. Einzige Ausnahme ist die Möglichkeit der betrieblichen Umschulung / Ausbildung. Dies ist zwar nur in begrenztem Umfang möglich, weil die Zahl der Arbeitsstätten entsprechend gering ist. Dennoch nutzt der Verein auch diese Möglichkeit und sorgt dadurch dafür, dass diese Teilnehmer etwas länger bleiben können.
Wertschätzung spielt eine besonderer Rolle Um ihren Beschäftigten aufzuzeigen, dass ihre Arbeit besondere Wertschätzung erfährt, holt der Verein gerne auch Fachleute oder Unterstützer aus den Partnerländern nach Hildesheim. Diese können so erleben, wie die Hilfslieferung zusammengestellt wird und ihre Dankbarkeit gegenüber den Beschäftigten zum Ausdruck bringen. In der Vergangenheit war es leider so, dass von den Empfängern vor Ort kein Dankeschön, Foto, Brief usw. zurückkam. Dieses ändert sich erfreulicherweise zum Positiven.
Wie es für die Teilnehmer nach Ende des Projekts weitergeht Leider lässt es sich in vielen Fällen nicht verhindern, dass die Teilnehmer nach Beendigung der Maßnahme in die Arbeitslosigkeit zurückfallen. Der Verein bemüht sich nach Kräften, den Menschen einen individuellen Weg aufzuzeigen und begleitet sie auch dabei, ohne allerdings Druck aufzubauen. Wenn jedoch keine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt gelingt, so halten noch heute viele ehemalige Projektteilnehmer den Kontakt zum Verein. Arbeit und Dritte Welt investiert viel Zeit in die Teilnehmer, ohne dass sie selber profitieren.
Die CDU möchte am Ball bleiben! Dr. Ulrich Kumme bedankte sich für die interessante Führung und Vorstellung des Vereins. Er machte mit lobenden Worten deutlich, dass der Verein wichtige Arbeit für die Gesellschaft leiste und die CDU-Fraktion den Weg des Vereins gern weiter begleiten möchte. Herr Brien beendete seinen Vortrag, indem er den Fraktionsmitgliedern noch einen aktuellen Flyer mitgab.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite von
Arbeit und Dritte Welt .